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26.09.2022 - 16:52

Dirk Müller Fonds: Konsequent erfolglos in allen Lagen

Der Fonds des ehemaligen Börsenhändlers Dirk Müller trägt das Wort "Aktien" im Namen. Doch mit Aktien hat er bekanntlich wenig am Hut. Daher vergleichen wir den Fonds mit zwei Mischfonds-Gruppen. Warum das Fazit überwiegend, aber vielleicht doch nicht für alle Anleger im Dirk Müller Premium Aktien bitter ist.


Der Fondsberater Dirk Müller gibt mit seinem gleichnamigen Fonds Rätsel auf: Ist er für Investoren geeignet, die Sicherheit brauchen oder für solche, die Rendite suchen? Die kurze Antwort: Für keine der beiden Anlegergruppen. Eine Auswertung der kontinuierlichen Renditeentwicklung zeigt, dass der Dirk Müller Premium Aktien seit Auflegung in keiner (halbwegs) längeren Investment Periode eine gute Wahl war. Wie kommen wir zu dieser Behauptung? Anschnallen, es geht los!


Dirk Müller Premium Aktien – wieviel Aktien, wieviel Premium?


Fangen wir mit der Rendite des Fonds im Vergleich zum Aktienmarkt an. Diese Geschichte ist schnell erzählt. In den vergangenen fünf Jahren legte der MSCI World Index jährlich um 10,4 Prozent pro Jahr zu (in Euro gerechnet). Der Dirk Müller Premium Aktien verlor in diesem Zeitraum jedes Jahr knapp 1,3 Prozent. Dass ein Fonds mit dem Wort "Aktien" im Namen in Zeiten haussierender Märkte so schwach performt, ist erklärungsbedürftig.


Seit Auflage des Fonds 2015 weist er keinen nennenswerten Zusammenhang mit der Aktienmarktentwicklung auf. Die Korrelation des Dirk Müller Premium Aktien mit dem Aktienindex MSCI World (in Euro) liegt bei 0,17. Das ist ein sehr niedriger Wert. Eine Korrelation zweier Assets von 0,8 und höher impliziert einen weitgehenden Gleichklang. Üblicherweise sind weltweit investierende Aktienfonds zueinander bzw. zu den gängigen Indizes hoch korreliert. Werte um 0,5 bedeuten, dass nur ein mäßiger Zusammenhang zwischen der Performance von zwei Assets besteht. Ein Wert von zwischen null und 0,2 bedeutet, dass es keinen nennenswerten Zusammenhang gibt.


Dass der Dirk Müller Premium keinen Nennenswerten Zusammenhang mit Aktien aufweist, ist eine Folge der konsequenten Absicherungsstrategie. Der Fonds investiert zwar in Aktien (Top Holdings: Apple, Dollar General, Microsoft, United Health und Alphabet). Doch weil der Fonds das Aktien-Risiko langfristig weitestgehend absichert und Absicherungen Geld kosten, liegt der Fonds seit Auflage im Minus – derweil die Aktienmärkte weltweit seit 2015 haussiert haben. Der "Absicherungsradar" auf der Website des Berater in Gestalt einer Ampel zeigt - offenbar seit Januar 2021 – auf rot. In Rotphasen sichert das Fondsmanagement die Aktien weitgehend ab.


Zweimal fünf Mischfonds für den Müller-Test


Doch wenn der Müller-Fonds nun kein Performance-Bringer ist, vielleicht ist er dann als defensiver Baustein im Portfolio geeignet? Vergleichen wir den Dirk Müller Premium Aktien also mit einer Auswahl an Mischfonds. Weil Mischfonds mehr oder weniger taktisch vorgehen und ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen (mit unterschiedlicher Gewichtung) streuen, wollen wir keine Stichtagsbetrachtung vornehmen, sondern uns die kontinuierliche Renditeentwicklung über die Zeit anschauen. Als einigermaßen repräsentative (nicht: angemessene) Investitionsphase verwenden wir die 29 Fünf-Jahres-Renditereihen, die wir monatlich seit Auflage des Dirk Müller Fonds ablesen konnten. Man spricht auch von rollierenden Fünfjahres-Renditen.


Die untere Grafik zeigt den Renditeverlauf der 29 Fünfjahresperioden. Neben dem Dirk Müller Premium haben wir den DWS Concept Kaldemorgen, Carmignac Patrimoine, Flossbach von Storch Multiple Opportunities, Nordea Stable Return und DJE Zins und Dividende aufgeführt. Der Dirk Müller Premium Aktien wird durch die dunkelblaue Grafik repräsentiert. Sie ist nicht schwer auszumachen: Der Fonds ist fast durchgängig der schlechteste Fonds der Auswahl, und zwar über weite Strecken der 29 Renditebetrachtungen.


Rollierende Fünf-Jahresrenditen, in Prozent und p.a., Stand: 31.8.2022, Quelle: Morningstar


Allenfalls der Carmignac Patrimoine kann Müller zeitweilig Konkurrenz "nach unten" machen; allerdings hat der Carmignac Patrimoine zumindest zeitweilig in einigen Fünfjahres-Perioden ein Plus von etwas unter vier Prozent pro Jahr erzielt - im Gegensatz zum Dirk Müller Fonds, der auch in seiner besten Fünfjahres-Periode (zwischen September 2016 und August 2021) ein Plus von nur etwas über einem Prozent pro Jahr erzielte. Damit schaffte er im besten Fall nicht einmal einen Inflationsausgleich.


Seine schlechteste Phase hatte der Dirk Müller Fonds zwischen September 2017 und August 2022 mit einem jährlichen Minus von 0,8 Prozent. Zum Vergleich: Der Flossbach von Storch Multiple Opportunities konnte in seiner besten Fünfjahres-Periode zwischen 2015 und heute um knapp 7,4 Prozent pro Jahr zulegen (zwischen Dezember 2016 und November 2021). In seiner schwächsten Phase kam der Flossbach-Mischfonds immerhin noch auf jährlich 4,03 Prozent plus (Juni 2016 bis Mai 2021).


Aufmerksame Beobachter mögen nun einwenden, dass es sich bei der oberen Fondsauwahl um zumeist Aktien-orientierte Mischfonds handelt, während der Dirk Müller Premium Aktien infolge seiner Absicherungsstrategien weitaus weniger stark am Aktienmarkt präsent ist. Deshalb haben wir den Dirk Müller Fonds mit einer anderen, deutlich defensiveren Auswahl an Mischfonds zusammengebracht.


In der unteren Grafik finden sich mit den FvS der erste Schritt, Pictet Diversified Alpha, Sauren Global Defensiv, Deka BR 35 und PrivatFonds: Kontrolliert ausschließlich sehr konservative Mischfonds. Doch auch hier konnte sich der Dirk Müller Premium Aktien in kaum einer Fünfjahres-Periode in der Zeit zwischen Mai 2015 und August 2022 behaupten. Lediglich der Sauren Defensiv und der Pictet Diversified Alpha lagen kurzzeitig hinter dem Dirk Müller Premium Aktien. Ansonsten war auch die Auswahl der deutlich defensiveren Mischfonds offensiv genug, um Renditen von 1-3 Prozent p.a. zu erzielen. Indes zeigt die untere Grafik, dass die dunkelblaue Müller-Linie überwiegend um den Nullpunkt pendelt.



 


Das Dirk Müller Prinzip oder nicht jeder, der Aktien hat, erzielt eine Aktien-Performance


Dass der Dirk Müller Premium Aktien den globalen Aktienmärkten weit hinterherhinkt, wurde bereits oft beschrieben (hier und hier). Was hingegen weniger thematisiert wird, ist, dass er bisher keine Chance hatte im Wettlauf mit vielen Mischfonds. Auch die konservativsten Mischfonds haben den Anspruch, Rendite-Chancen wahrzunehmen, auch wenn sie noch so vorsichtig agieren. Bei keinem Fonds unserer Auswahl war die Partizipation an der Aktienmarktentwicklung - gemessen am MSCI World - so ungünstig wie beim Dirk Müller Premium Aktien. Das zeigen die Kennzahlen „Up Capture Ratio“ und „Down Capture Ratio“. Von 100 Performance Einheiten des Marktes nach unten "nahm" der Müller-Fonds seit seiner Auflage 2015 zwar nur 20 Prozent "mit". Aber in Aufwärtsmärkten lag die Partizipationsrate nur bei sechs Prozent. Das ist ein sehr ungünstiges Verhältnis.


Besonders bitter müsste die kontinuierliche Underperformance des Müller-Fonds für die Investoren sein, die in der lockeren Geldpolitik der Notenbanken eine große Verschwörung witterten und im Müller-Fonds ein Vehikel wider "die große Marktmanipulation" sahen. Was in Nullzinsphasen als Refugium für manche gewirkt haben mag, dürfte heute schwer erträglich sein: Denn die Zinsen steigen wieder und die Zentralbanken schrumpfen ihre Bilanzen. Auch nach kartoffelschwurbeliger Lesart ist die These von der „großen Manipulation“ schwer aufrecht zu erhalten. Doch dann müssten die Ansprüche an den Müller-Fonds wachsen. Denn der Zins ist wieder da! Bonitätsstarke festverzinsliche Papiere bringen - je nach Markt – zwischen zwei Prozent (zehnjährige Bunds) und knapp 4,5 Prozent (zweijährige Treasuries). In so einem Umfeld müsste die Minus-Performance des Müller-Fonds in diesem Jahr Anlegern sauer aufstoßen.


Aktuell liegt das Fondsvermögen im Dirk Müller Premium Aktien bei gut 400 Millionen Euro. Das ist - gemessen an der miesen Performance - ordentlich, auch wenn es in den vergangenen zwei Jahren Abflüsse gab. Vor diesem Hintergrund wirft der Fonds unverändert Rätsel auf. Wir hatten am Anfang unserer Reise die Frage aufgeworfen, ob der Fonds für Investoren geeignet sei, die Sicherheit brauchen oder für solche, die Rendite suchen. Da auch defensive Fonds den Anspruch haben, Rendite zu erzielen, erscheint der Fonds für beide Gruppen ungeeignet.


Aber vielleicht handelt es sich beim Müller-Fonds um ein kultisches Objekt, und bei Glaubensfragen geht es bekanntlich nicht um objektive Wahrheiten. Für die Investmentkultur in Deutschland ist es indes tragisch, dass ein konstant nicht-performanter Fonds mit rätselhaften Anlagezielen einen derart prominenten Platz unter den vielen Investment-Fonds einnimmt.


 


 


Der Beitrag Dirk Müller Fonds: Konsequent erfolglos in allen Lagen erschien zuerst auf Envestor - Einfach intelligent investieren.

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