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01.08.2014 - 13:52

Argentinien: Schon wieder Pleite

von Dr. Marc-Oliver Lux von Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München

Für Argentinien ist die Zeit mal wieder abgelaufen. Das südamerikanische Land ist technisch zahlungsunfähig, das zweite Mal innerhalb von 13 Jahren. Schon einmal - im Dezember 2001 - deklarierte Argentinien den bisher größten Zahlungsausfall eines souveränen Staates. Mehr als 100 Milliarden Dollar Anleiheschulden waren betroffen. Unter tosendem Beifall der Parlamentsabgeordneten wurde die Einstellung der Schuldenzahlungen verkündet. Argentinien steckte tief in der Rezession. Der damals fest an den Dollar gebundene Peso war hoffnungslos überbewertet. Anfang 2002 wurde die Dollarbindung aufgehoben. Der Pesokurs ging in den freien Fall über.

Die Regierung fror daraufhin die Bankguthaben ein, um einen Ansturm auf die Einlagen zu bremsen und die grassierende Kapitalflucht zu unterbinden. Leidtragender war da zunächst die eigene Bevölkerung. Am laufenden Einkommen gemessen, stürzte zeitweise mehr als die Hälfte der Menschen unter die Armutsgrenze. Die Krise trieb die Arbeitslosenrate auf 24 Prozent.

Viele der krisenerfahrenen Argentinier hatten freilich Rücklagen in Dollar unter den Matratzen oder im Ausland gehortet. Die hatten nun eine hohe Kaufkraft. Schon wenige Monate nach der Staatspleite wurde überall renoviert und gebaut um die niedrigen Pesokosten auszunutzen. Die Bankkunden erhielten ihre Einlagen bald zurück, viele sogar in Dollar oder mit geringen Abschlägen in Pesos. Um die Banken für ihre Verluste zu entschädigen, gab die Regierung den Instituten neue Staatspapiere. So waren die Staatsschulden bald noch höher als vor der Zahlungseinstellung.

Während sich das Land wieder aufrappelte, zahlten ausländische Anleihengläubiger die Zeche. 93 Prozent der Bond-Gläubiger hatten ein wenig vorteilhaftes "Umschuldungsangebot" Argentiniens akzeptiert, nur noch 25 Prozent des Nennwertes ihres Engagements zurückzuerhalten. Die Verluste von drei Vierteln der Forderungswerte konnten durch nichts kompensiert werden.

Eine Minderheit von Investoren - vor allem auf Staatspleiten spezialisierte Hedgefonds - hatte sich jedoch den beiden Schulden-Schnitten der Jahre 2005 und 2010 verweigert und forderte eine Komplettrückzahlung. Seit mehr als einem Jahrzehnt hält dieser Streit zwischen Argentinien und den Investoren schon an. Der Streit wird in den USA ausgefochten, weil die Anleihen damals in Dollar unter US-Recht begeben worden waren.

Ein New Yorker Gericht hat nun verhindert, dass das südamerikanische Land fällige Anleihen aus dem Umschuldungsprogramm von 2005 und 2010 bedient, solange es nicht 1,5 Milliarden Dollar an diese Gruppe sogenannter "Holdouts" gezahlt hat, also Anleihebesitzer, die sich nicht an den Umschuldungen beteiligt haben.

Mit der fälligen, aber nicht geleisteten Zahlung blieben Argentinien noch 30 Tage bis zur erneuten Zahlungsunfähigkeit. Argentinien hoffte darauf, die Zahlungen an die Hedgefonds bis Anfang 2015 aufzuschieben, um sie dann voll ausbezahlen. Im Januar läuft nämlich eine Klausel aus, wonach jeder Gläubiger, der die Umschuldung mitgemacht hat, ein Anrecht auf höhere Rückzahlungen hat, sollte Argentinien bis dahin andere Gläubigergruppen besser stellen. Die Hedgefonds ließen jedoch nicht mit sich reden. Die Verhandlungsfrist ist abgelaufen. Die Ratingagentur Standard & Poors wird Argentinien daher auf "Default" setzen. Das Land bleibt weiter abgeschnitten von den internationalen Kapitalmärkten.

Die argentinischen Börse hat die drohende Staatspleite bisher ignoriert. Anders als man erwarten würde, notiert der Aktien-Leitindex MERVAL fast auf Höchststand und hat dieses Jahr die beste Performance weltweit hingelegt. Manchmal lohnt es sich, antizyklisch zu investieren.

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