24.05.2013 - 11:07
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Von Herbert Rude
Nichts hasst die Börse bekanntlich so sehr wie Unsicherheit: Sie ist das Gift, das die Anleger lähmt und die Kurse ins Wanken bringt. Die Zutaten dazu lieferte zuletzt die US-Notenbank mit ihren äußerst widersprüchlichen Aussagen zur künftigen Geldpolitik. "Setzen, sechs", bewerten deshalb die Analysten der Commerzbank die Kommunikation der US-Währungshüter.
In kleinen Dosen kann Gift allerdings bekanntlich auch heilen und kräftigen. Der jüngste Rücksetzer hat die Akteure auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und wohl jeden Ansatz von ungesunder Euphorie bereits im Keim erstickt. Die oft zitierten zittrigen Hände werden aus dem Markt geschüttelt. Oder, wie das so schön bei technischen Analysten heißt, die überkaufte Lage wird nun abgebaut. Der Rückschlag zieht neue Käuferschichten an, der Kursaufschwung wird gesünder und nachhaltiger.
Die Gefahr, dass die Hausse bereits stirbt, ist sehr niedrig. Fast nie enden Hausse-Schübe aus dem Stand. Erfahrungsgemäß gibt es fast immer eine Erholung an das alte Hoch und damit ein so genanntes Doppel-Top oder eine andere komplexe Gipfelbildung. Das Ausbilden einer Umkehrformation benötigt in der Regel Zeit, nicht nur unten, sondern auch oben.
Dabei ist es bereits unwahrscheinlich, dass der Markt überhaupt in eine Phase der Gipfelbildung eintritt. Der erste Rücksetzer in einer neuen Aufwärtswelle wird fast immer zum Einstieg genutzt. Damit sollte die Kraft für ein neues Hoch über 8.550 Punkte im DAX ausreichen. Ein solches Hoch wäre dann aber ein neues Kaufsignal, das für gewöhnlich mindestens drei bis fünf Prozent kurzfristiges Anschlusspotenzial erzeugen sollte, den DAX also zumindest in den Bereich zwischen 8.800 und 8.900 Punkte treiben sollte.
Das Risiko liegt darin, dass die US-Notenbank die Dosis des Gifts erhöht und die Märkte noch stärker auf ein schnelles Ende der lockeren Geldpolitik einstimmt. Das dürfte aber eher unwahrscheinlich sein. Die Gefahr eines Falls in die Deflation ist dazu zu groß. Die kommenden Konjunktur- und Preisdaten dürften zwar zu einer längeren Phase erhöhter Volatilität führen. Je nach Datenlage ist aber auch ein weiteres Ausweiten der Anleihenkäufe nicht auszuschließen.
Nach dem Bilderbuch-Aufschwung der vergangenen vier Wochen könnte sich die Verschnaufpause noch ein paar Tage hinziehen. Mit Blick auf die Positionen der Anleger meint Joachim Goldberg von cognitrend, das Kaufinteresse sollte bei 8.250 Punkten deutlich zunehmen. Viele Pessimisten wünschten sich einen Rückschlag auf 8.100 Punkte. Es sei aber unwahrscheinlich, dass der DAX den so genannten Bären diesen Gefallen tue, sagt Goldberg, der die Stimmung am Markt analysiert und daraus auf die künftige Kursentwicklung schließt.
Auch am japanischen Aktienmarkt dürfte die Aufholjagd zu alten Ständen nur unterbrochen sein. Die Volatilität ist in Tokio zwar deutlich höher als in Europa. Das liegt aber wahrscheinlich nur daran, dass auch die aufgelaufenen Kursgewinne das Plus an den anderen Börsen deutlich übertroffen haben.
Am Montag bleiben die US-Börsen wegen des Memorial-Feiertags geschlossen. Am Dienstag könnten der Case-Shiller-Hauspreisindex und besonders das US-Verbrauchervertrauen für Kursausschläge sorgen, am Donnerstag die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten und am Freitag der Einkaufsmanagerindex in Chicago sowie der Michigan-Index für das Verbrauchervertrauen. Daten zum deutschen Arbeitsmarkt und zu den Verbraucherpreisen gibt es am Mittwoch.
Nach den zuletzt eher schwachen Leistungen der Mannschaft sollte eine Niederlage von Borussia Dortmund im Finale der Champions League im Aktienkurs eingepreist sein. Ein Sieg gegen die Münchener Bayern wäre dagegen eine Überraschung und könnte ein kleines Kursfeuerwerk auslösen. Denn die Bayern gelten als haushoher Favorit - bei Fans, Buchmachern und Aktionären.
Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com
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May 24, 2013 05:07 ET (09:07 GMT)
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