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26.05.2015 - 11:54

Findige Fintechs

von Uwe Zimmer, Vorstand der Vermögensverwaltung Meridio AG, Köln

Kleine, schnelle Neugründungen jagen den Platzhirschen Kunden ab. Was über Jahre von Banken befeuert wurde, findet sich jetzt auch in der eigenen Branche. Und die Überlebenswahrscheinlichkeit der Großen sinkt.

Jahrelang haben die Banken mit Freude Firmen finanziert und beraten, die anderen Firmen, oft Kunden ebendieser Banken übrigens, das Wasser abgruben. Wo immer ein Geschäft oder ein Geschäftszweig ins Netz verlagert werden konnte, traten die Konkurrenten auf - und wurden zum Teil üppig finanziert. Das betrifft große Konzerne wie Mittelständler quer durch die Branchen - nur das Finanzwesen blieb lange eine Insel der Seligen.

Das ist jetzt vorbei. Die Banken und ihre Geschäftsmodelle werden gnadenlos angegriffen, von allen Seiten. Das fängt beim simplen Geld sparen an, geht über aufwändigere Anlageformen sowie die komplette Kontoführung bis hin zur Vergabe von Krediten. Und es endet dort nicht, denn auch bei den im Backoffice der Banken angesiedelten Teilen der Wertschöpfungskette, etwa der Abwicklung von Transaktionen, der Bereitstellung von Plattformen und so weiter finden sich mehr und mehr Wettbewerber aus dem Netz oder besser gesagt: kleine findige Fintechs.

Und auch wenn die Szene heute noch bunt, unübersichtlich und zersplittert aussieht: in den kommenden drei bis fünf Jahren werden sich hier neue Champions herausbilden. Firmen, deren Geschäftsmodell stark genug ist, die etablierte Konkurrenz das Fürchten zu Lehren und deren Kapitalausstattung reichhaltig genug ist, auch größere Investitionen zu tätigen. Kommt diese Kapitalausstattung heute noch zum großen Teil von Risikokapitalgebern wird in den kommenden Jahren mehr und mehr der Kapitalmarkt angezapft werden.

So plant etwa die Firma Kreditech aus Hamburg, ein Fintech, für die nächsten Jahre seinen Börsengang. Und auch wenn andere das noch nicht so offensiv ankündigen werden doch viele diesem Beispiel folgen.

Für Anleger entstehen daraus Chancen auf mehreren Ebenen: heute schon, wenn nämlich Fintechs Geld über Online-Plattformen einsammeln, Start-Up-Netzwerke bieten hier immer wieder neue Möglichkeiten. Und später, wenn die Börsen zum ersten Mal an die Börse gehen. Hier kann es sich lohnen, früh einzusteigen - allerdings immer mit der Gefahr, dann aufs falsche Pferd zu setzen, auf das Fintech-Unternehmen, das sich doch nicht durchsetzt. Die nächste Ebene ist das abwarten, bis sich die Spreu vom Weizen getrennt hat und dann einzusteigen. Das ist sicherer und bietet immer noch gute Chancen - man denke an einen frühen Einstieg bei Google oder ähnlichen Werten.

Auf Bankwerte jedenfalls sollten langfristig planende Anleger erst wieder setzen, wenn die Welle der Start-Ups vorbeigelaufen ist und sich zeigt, welche der etablierten Banken eigentlich überleben wird. Denn das alle Überleben ist so gut wie ausgeschlossen.

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