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30.01.2015 - 10:48

Tiefststand erreicht - Wie weit fällt der Ölpreis noch?

von Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG, Traunstein

Zu den wirtschaftlichen Hauptereignissen des vergangenen Jahres gehörte zweifelsohne der massive Verfall der Ölpreise. Vor sechs Monaten bezahlten die Marktteilnehmer noch 105 US-Dollar für Öl pro Fass, jetzt sind es nur noch knapp 50 US-Dollar. Kann der Preis noch weiter sinken? Oder sollten Anleger jetzt auf den Turnaround setzen? Doch Vorsicht: Rohstoffinvestments bergen hohe Risiken.

Die Gründe für das Überangebot an Öl und den dadurch bedingten Preisverfall sind schnell ausgemacht: Die USA haben ihre Ölproduktion hochgefahren, während sich das Wachstum in China verlangsamt und die Konjunktur in Europa abkühlt. Das einstige Preis- und Förderkartell der OPEC ist zudem längst einem freien Markt gewichen, auf dem die Exporteure mit immer niedrigeren Preisen um Marktanteile kämpfen. Die Europäische Zentralbank warnt angesichts des massiven Preisverfalls vor negativen Inflationsraten.

Ich glaube nicht, dass das Rohöl dauerhaft unter dem Preisniveau von 50 US-Dollar bleiben kann. In diesem Bereich wird es selbst für die Ölexporteure aus dem Nahen Osten, die günstig fördern können, ungemütlich. Darüber hinaus macht der niedrige Preis die umstrittene Fracking-Förderung in den USA unrentabel. Große Fördermengen sind zwar bereits auf Termin verkauft. Die Kontrakte dürften aber 2015 auslaufen. Dann wird es für viele Ölförderer ernst.

Konsumsektor und Ölimport-Länder profitieren

Neben den direkten Auswirkungen auf die Rohstoffpreise stehen auch weitreichende sekundäre Effekte bevor. Aktien und Anleihen von Ölproduzenten und Dienstleister der Förderbranche werden wahrscheinlich am meisten betroffen sein. Dies gilt insbesondere, wenn ihre Geschäftsmodelle auf deutlich höheren Ölpreisannahmen basieren. Gleichermaßen dürften die Länder unter Druck geraten, in denen Öl- und andere Rohstoffexporte wichtige Einnahmequellen darstellen. Es kann hier zu schwächeren Währungen, Druck auf die Staatsausgaben und zu einem starken Rückgang der Investitionen kommen. In Russland und Nigeria ist diese Entwicklung bereits zu spüren.

Auf der anderen Seite können Konsumsektoren und ölimportierende Länder, wie Indien oder die Türkei, von dieser Entwicklung profitieren.

Ölpreisverfall kurbelt die Weltkonjunktur an

Die mit Abstand meisten Volkswirtschaften der Welt importieren mehr Öl als sie exportieren. Im vergangenen Jahr hatte das weltweit verbrauchte Öl einen Gegenwert von 3,6 Billionen US-Dollar. Ein Preisrückgang um 30 Prozent entspräche laut Berechnungen von JP Morgan einem globalen Konjunkturprogramm im Gegenwert von einer Billion US-Dollar. Denn Geld, das nicht für Öl ausgegeben werden muss, steht für andere Dinge zur Verfügung, wie Konsum oder Finanzinvestitionen. Dieser Effekt wird voraussichtlich erst 2015 voll zum Tragen kommen.

Wie weit aber kann der Ölpreis tatsächlich noch fallen? Ein guter Indikator für die Untergrenze ist der Blick auf langfristige Preismuster. Jahrzehntelang kostete ein Barrel (159 l) Erdöl zwischen 10 und 40 Dollar. Ab 2004 bis 2008 schoss der Preis auf über 140 Dollar. In der Finanzkrise pendelte das Tief wiederum um 40 Dollar, also auf dem Niveau der Höchstkurse in den Vorjahrzehnten. Das dürfte auch diesmal der Fall sein. Somit ist der Spielraum nach unten nur noch gering.

Aktien statt Rohstoffzertifikate

Der Preisverfall könnte für Privatanleger zwar einen günstigen Einstiegszeitpunkt signalisieren, z.B. über den Kauf von Rohstoffzertifikaten. Ich empfehle jedoch, die Finger von jeglichem Rohstoffinvestment zu lassen. In dieser Vermögensklasse gelten ganz eigene, für Laien schwer zu erkennende Gesetze. Solche Anlagen sind deshalb zu risikoreich und ungeeignet für die Altersvorsorge.

Da sind die deutlich zurückgekommenen Aktien von großen Ölgesellschaften, die eine gute Dividende bezahlen, schon eher eine Überlegung wert. Wer hohe Zinsen kassieren will, der sollte sich Industrieanleihen von Ölunternehmen anschauen, denn die Anleihekurse sind ebenfalls gesunken.



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