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10.07.2015 - 15:26

Griechenland nervt

von Uwe Zimmer, Vorstand der Vermögensverwaltung Meridio AG, Köln

Die Beschäftigung mit einem kleinen Land in der Süd-Ost-Ecke Europas kostet viel zu viel Zeit. Griechenland ist ein kleiner Fisch, außer Oliven, Feta und Sirtaki exportiert das Land nicht viel, seine Bedeutung am Aktien- und Rentenmarkt ist schlicht Null. Wenn da bloß nicht die Politik wäre, die aus dem Schmierentheater eine europäische Tragödie glaubt schreiben zu müssen.

Was aufgeführt wird, ist ein Sommertheater vom Feinsten: riesige Welle, wenig dahinter, großer Unterhaltungs- oder besser: Gruselspaß. Dabei ist Griechenland eingepreist. Es kümmert niemanden mehr, was jetzt wirklich passiert, es ist eine Mischung aus den Szenarien von Rettung bis Austritt je nach Wahrscheinlichkeit in den Kursen enthalten, sowohl am Renten- wie am Aktienmarkt. Warum also soll man sich ewig damit beschäftigen?

Warum soll man sich anhören, wie Professoren wie Hans-Werner Sinn der Drachme das Wort reden? Wäre ja schön, wenn das so elfenbeinturmmäßig klappen würde: Griechenland führt wieder die Drachme ein, wertet sie ab, kann deshalb billiger auf den Weltmärkten anbieten, exportiert viel, kassiert Devisen und gesundet wirtschaftlich. Im Tourismus könnte das klappen. Ansonsten fehlt es aber an einer Exportwirtschaft. Und aus nichts ein wettbewerbsfähiges Nichts zu machen, ist schwer. Realität wäre: es werden vor allem die Importe teurer. Medikamente, Autos, Fernseher, alles kommt von außen. Und all das wird durch eine billige Drachme, die keiner haben will, immer teurer. Die Griechen könnten sich gar nicht mehr leisten, keine Verbesserung gegenüber heute also.

Das wäre aber auch eine der wenigen echten Folgen für die Weltwirtschaft: ein kleines Volk könnte nicht mehr so viel konsumieren. Für Toyota, VW und Co bestimmt recht leicht zu verschmerzen, echte Gewinneinbrüche sind daraus jedenfalls nicht zu erwarten und damit auch nur wenige echte Auswirkungen auf die Unternehmen und ihre Gewinne, die immer noch die Kurse bestimmen.

Eines allerdings muss man Griechenland lassen: Durch das ewige Gejammer auf der einen und durch das reflexhafte "Wir retten Euch"-Geschrei auf der anderen Seite bleibt der EZB noch eine ganze Weile nichts anderes übrig, als die Zinsen niedrig zu halten. Danke dafür, denn es sorgt für freundliche Stimmung an den Märkten - und das noch eine ganze Weile.

Allerdings ist das nun nichts, womit man Geld verdienen möchte. Ein politisch freundlich gestimmter Aktienmarkt tendiert zu umso größeren Verlusten, wenn sich die politische Stimmung ändert. Und das kann erfahrungsgemäß ja schnell gehen. Da brauchen nur andere, tatsächliche Krisen zu kommen, und schon platzt die Blase.

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