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22.06.2015 - 14:16

Anlagenotstand in Europa:

Rentenanleger sollten Strategie überdenken

von Wolfgang Juds, Geschäftsführer der CREDO Vermögensmanagement GmbH

Rentenanleger erleben in diesen Tagen turbulente Zeiten. Die Kursschwankungen an den Anleihemärkten haben erheblich zugenommen und erreichen an manchen Tagen bereits eine Schwankungsbreite wie an den Aktienmärkten. Seit Mitte April sind die Renditen von Anleihen in der Eurozone teilweise dramatisch angestiegen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen lag zu diesem Zeitpunkt unter 0,05 Prozent. Inzwischen rentieren diese Anleihen mit 0,98 Prozent und haben den Anleiheinhabern kräftige Kursrückgänge beschert. Dies gilt nicht nur für Bundesanleihen, sondern auch für die Anleihen in den europäischen Nachbarländern und in den USA. Die meisten Beobachter rechnen mit einem Zinsschritt der US-Notenbank im September.

Schneller Inflationsanstieg

Auf ihrer letzten Sitzung im Juni gab die EZB überraschend bekannt, dass sie bereits für 2017 mit einer Kerninflation von 1,7 Prozent rechnet. Das wäre mehr als eine Verdoppelung, denn für 2015 wird lediglich ein Wert von 0,8 Prozent erwartet. Die Kerninflation berücksichtigt keine Lebensmittel- und Energiepreise. Als Konsequenz für die Geldpolitik könnte dies bedeuten, dass die EZB das Anleihenkaufprogramm über September 2016 hinaus nicht verlängern dürfte und die Leitzinsen vermutlich in 2017 erstmals wieder anheben könnte. Das Inflationsziel von zwei Prozent läge dann in greifbarer Nähe. In der Folge dieser Inflationsprognose kam es zum großen Ausverkauf am Rentenmarkt. Auch am Aktienmarkt hinterließ diese Erwartung seine deutlichen Spuren.

Panikverkäufe sind keine Lösung

Die Marktbewegungen am Rentenmarkt hatten fast panikartige Züge angenommen. So ein heftiger Zinsanstieg war in diesem Ausmaß historisch nur selten beobachtet worden! Und dennoch ähnelt dieses aktuelle Umfeld der Situation im Sommer 2013, als viele Marktbeobachter bereits mit einem Ende der Niedrigzinspolitik in den USA gerechnet hatten. Damals kam es ebenfalls zu einem kräftigen Zinsanstieg und einem Ausverkauf in den Schwellenländern.

In den vergangenen Jahren wuchs die Wirtschaft in den USA deutlich langsamer als erwartet und bis heute kam es noch zu keinem Zinsschritt der FED. Das bedeutet nicht, dass die Angst vor steigenden Zinsen generell unbegründet ist, aber das Ausmaß dieses ersten Zinsschrittes dürfte vorerst gering ausfallen. Denn bei zu stark steigenden Zinsen besteht die Gefahr, dass die zarte Pflanze Konjunktur abgewürgt werden könnte. Die meisten Marktbeobachter gehen davon aus, dass die geldpolitischen Maßnahmen der EZB wirken. Aus Anlegersicht sind panikartige Verkäufe jedoch keine sinnvolle Lösung. Vielmehr sollte die Anleihestrategie spätestens jetzt grundsätzlich neu ausgerichtet werden.

Rentenportfolio 2015

Marktphasen, die von starken Kursschwankungen und veränderten Zinserwartungen geprägt sind, bieten eine gute Gelegenheit, die eigene Rentenstrategie zu überdenken. Während in den ersten Monaten dieses Jahres die EZB mit ihrer Ankündigung des Anleihenkaufprogramms eine wahre Kursralley ausgelöst hat, kam es nun zur heftigen Gegenbewegung. Für die Strukturierung eines Rentenportfolios gilt es, die Renditequellen sorgfältig zu untersuchen und auf den Prüfstand zu stellen.

Ein wesentlicher Teil der Erträge stammt aus der Prämie für längere Laufzeiten. Ein anderer Teil kommt aus der Risikoprämie für das übernommene Bonitätsrisiko. Schließlich resultiert ein dritter Teil aus Währungsrisiken und politischen Risiken bei globalen Anleihen. Insbesondere die Zusammensetzung der beiden ersten Komponenten scheint mir für den langfristigen Anlageerfolg von hoher Bedeutung. In Phasen steigender Zinsen gibt es an den Rentenmärkten wenig zu holen. Da lohnt es sich, auf Risikoprämien zu verzichten und die Liquidität zu bevorzugen. Laufzeiten sollten generell verkürzt werden. Auch eine Erhöhung der Liquidität kann sinnvoll sein.

Bonitätsaufschläge im Bereich der Unternehmensanleihen sind bislang stabil geblieben. Daher kann der Anteil an höher verzinsten Unternehmensanleihen beibehalten werden. Da die Zinsen in den USA inzwischen wieder ein attraktives Niveau aufweisen, könnte ein Teil auch in US-Anleihen investiert werden. Zu guter Letzt lohnt sich ein Blick auf die Absolute-Return-Strategie. Es gibt Manager, denen es auch in diesen Marktphasen gelingt, positive Erträge zu generieren. Auch wenn dieser Ansatz in den vergangenen Jahren enttäuscht hat, könnte das aktuelle Umfeld eine gute Einstiegsmöglichkeit bieten, wenn die Erwartungen realistisch sind.

Ein Rentenportfolio in Phasen steigender Zinsen aufzustellen, ist eine ambitionierte Aufgabe. Die Zielsetzung sollte sein, möglichst keine Verluste zu erwirtschaften und über vereinnahmte Risikoprämien den Kursrückgang bei den Anleihen mit längeren Laufzeiten auszugleichen. Durch geschickte Käufe an schwachen Tagen kann das Depot zusätzlich optimiert werden. Aber die Erwartungen sollten realistisch bleiben. Panik ist kein guter Ratgeber! Besser ist es, das Depot mit ruhiger Hand und klaren Zielen, durch unruhige Zeiten erfolgreich zu steuern.



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