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07.09.2014 - 21:17

Wer berät Deutschland ?

von Thomas Böckelmann, geschäftsführender Gesellschafter VEITSBERG Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH in Ravensburg

Die Regulierung der Vermögensberatung durch Gewerbeordnung (GewO), Kreditwesengesetz (KWG) und Honoraranlageberatungsgesetz ist für den Privatanleger kaum nachvollziehbar. Der 1. August 2014 war ursprünglich als Paukenschlag einer anlegerschutzfreundlichen Politik geplant. Seit Einführung des Honoraranlageberatungsgesetzes haben sich ein Monat später bundesweit keine zehn Finanzdienstleistungsinstitute bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registrieren lassen.

Es wird daher Zeit für eine neutrale Einordnung des Beratungsangebotes.

In der Regel findet eine Vermögensberatung in Finanzinstrumenten statt. Welche Produkte dazugehören und wer in diesen Produkten beraten darf, regelt das Kreditwesengesetz. Wer sich zum Beispiel in Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren beraten lassen möchte, kann sich nur von einem durch die BaFin zugelassenen Finanzdienstleister beraten lassen. Nur diese Anbieter - Banken und freie Berater und Vermögensverwalter mit einer sogenannten Paragraph-32-KWG Lizenz - haben dazu eine entsprechende Erlaubnis, die nach eingehender Prüfung von Qualifikation und Zuverlässigkeit vergeben wird. Daneben gibt es eine Bereichsausnahme vom KWG für Investmentfonds. In diesen Produkten dürfen auch nicht von der BaFin lizensierte Finanzdienstleister beraten, wenn sie über eine Zulassung der lokalen Gewerbeaufsicht oder IHK verfügen. Dazu genügen der Nachweis der Sachkunde sowie ein polizeiliches Führungszeugnis.

Bankenabhängige Beratung nach KWG

Im Beraterregister der BaFin sind mehr als 200.000 Anlageberater registriert. Diese sind meist Bankmitarbeiter, die durch ihre Ausbildung zur Vermögensberatung von Privatkunden qualifiziert sind. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Qualifikation seiner Mitarbeiter zu prüfen und Veränderungen anzuzeigen.

Von wenigen Ausnahmen wie der quirin Bank abgesehen, verdienen die meisten Banken ihr Geld in der Vermögensberatung mit Provisionen der Produktanbieter, deren Produkte sie ihren Kunden verkaufen. In diesem Zusammenhang wird häufig der Verdacht der Falschberatung geäußert, da eine Bank und ihre Bankberater unter Umständen einem Interessenkonflikt unterliegen könnten.

Während Großbritannien und einige skandinavische Länder den Provisionsvertrieb verbieten, hat sich in Deutschland der Gesetzgeber zu keiner vergleichbar harten Linie durchringen können. Es besteht die Sorge, dass eine rein auf Honorar ausgerichtete Beratung aufgrund der geringen Kundenbereitschaft zur Zahlung eines solchen einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichte, da weniger Abschlüsse für die private Altersvorsorge zu erwarten seien. Daher fördert die Politik die parallele Existenz von traditionellem Provisionsvertrieb und Honorarberatung.

Dennoch gibt es auch im Provisionsvertrieb zahlreiche gute Banken und Bankberater. Zumindest die Qualifikation der Bankmitarbeiter sichert einen gewissen Mindeststandard, auch wenn in vielen Fällen das Produktangebot auf das hauseigene Sortiment eingeschränkt und Vertriebsvorgaben unterlegen ist. Seit einiger Zeit bietet die BaFin die Möglichkeit, sich direkt über einen Bankberater zu beschweren.

Bankenunabhängige Beratung nach KWG

Im Gegensatz zu Bankberatern reden wir hier nur über wenige hundert Personen, die ebenfalls im BaFin Register als Berater eingetragen sind. Bei den Anbietern handelt es sich meist um kleinere vermögensberatende Boutiquen bis zu größeren bankunabhängigen Vermögensverwaltern, die vollkommen produktunabhängig in allen denkbaren Finanzinstrumenten beraten dürfen. In dieser Gruppe befinden sich analog den Banken Anbieter, die gegen Provision, gegen Honorar oder auch in einer Mischform für ihre Kunden arbeiten. In der Regel verfügen die Anbieter über eine überdurchschnittliche Qualifikation, was allein natürlich keine bessere Beratung garantiert.

Einige wenige dieser Anbieter haben sich bisher im Honoraranlageberater-Register der BaFin eintragen lassen. Die Resonanz enttäuscht, wenn man die von der Politik projizierten Vorteile für die Kunden sieht. Allerdings gibt es bei Umsetzung für die Finanzdienstleister einige Probleme, die zu einer nicht zu rechtfertigenden steuerlichen Benachteiligung der Kunden gegenüber anderen Honorarmodellen führen. Solange hier auf ungleichem Terrain agiert wird, dürfte sich die Anzahl der Anbieter kaum erhöhen.

Bankenunabhängige Beratung nach GewO

In diesem Segment bewegen sich gut 40.000 Berater und Vermittler. Die Begriffe 'Berater' und 'Vermittler' sind nur schwer zu unterscheiden, aber in der Regel handelt es sich bei den Anbietern (i.d.R. Versicherungen, Altersvorsorgeberatungen, Fondsvermittler) um sog. Abschlussvermittler, die in ausgewählten Produkten (meist offene und geschlossene Fonds, Versicherungen) den Kunden anlagegerecht beraten und ihm das Produkt gegen Provision verkaufen. Parallel zur Einführung der Honorarberatung im KWG wurde diese auch in der GewO etabliert. Von der Gewerbeaufsicht oder der IHK lizensierte Finanzdienstleister haben nun die Möglichkeit, ausschließlich als Honorarberater zu agieren.

In der Konsequenz unterscheiden die Gesetze einen Honorar-Anlageberater (KWG-Lizenz und uneingeschränkte Produktberatung) von einem Honorar-Finanzanlagenberater (Gewerbeaufsicht und eingeschränkte Finanzinstrumente). Aufgrund der Nähe dieser Begriffe ist die Unterscheidung für den interessierten Anleger nahezu unmöglich und eine detaillierte Aufklärung z.B. zu Honorarfragen und deren komplexen steuerlichen Behandlung wirkt eher abschreckend als vertrauenserweckend. Da kann auch der von der Bundesregierung im Internet freigeschaltete Wegweiser http://www.wegweiser-finanzberatung.de/ nur einen Überblick in Auszügen bieten.

Die Lösung für eine bessere Anlageberatung in Deutschland liegt in der frühzeitigen Aufklärung des Anlegers, am besten im Rahmen einer ökonomischen Schulbildung. Hier ist es aber noch ein weiter Weg...

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