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30.06.2015 - 10:31

Investoren rücken von fossilen Brennstoffen ab

von Hubert Thaler, TOP Vermögen AG, Starnberg

Die Politiker konnten sich auf dem G7-Treffen in Elmau nur zu vagen Versprechungen zum Klimaschutz durchringen. Bis zum Ende des Jahrhunderts wollen sie auf die Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl oder Gas verzichten. Große Investoren wie der norwegische Pensionsfonds oder die Rockefeller Foundation sind da schon weiter. Sie überdenken ganz konkret ihre Engagements in Verursacher von Kohlendioxid-Emissionen, speziell in Kohleproduzenten. Dieser Trend dürfte anhalten und die Aktienkurse in diesen Bereichen schwankungsanfälliger machen.

Das Argument lautet: Wenn der Klimawandel beherrschbar bleiben soll, darf nur ein Bruchteil der noch vorhandenen fossilen Brennstoffreserven verbrannt werden. Enorme Mengen an Kohle, Öl und Gas, die im Boden lagern, würden deshalb auf lange Sicht wertlos. Ölkonzerne wie Exxon-Mobil und Shell, denen diese Reserven gehören, wären also womöglich viel weniger wert als angenommen. Den Aktionären der weltweit größten Branche könnten damit drastische Wertverluste drohen.

Dies wird nicht von heute auf morgen geschehen: Derzeit decken die fossilen Brennstoffe noch fast 90 Prozent des globalen Verbrauchs an Primärenergie ab. Spannend wird nun aber die anstehende Klimaschutzkonferenz Ende November in Paris. Werden auch dort neue politische Töne angestimmt, dürften noch mehr Investoren die Reserven der Öl-, Gas- und Kohleproduzenten stärker diskontieren.

Dass sich die Branche in der Defensive befindet, zeigt nicht zuletzt der Aufruf von sechs europäischen Öl- und Gaskonzernen, darunter Shell, BP, BG, Total, Statoil und Eni, die ein weltweites Preissystem für das klimaschädliche Kohlendioxid fordern. Dabei ist der Vorschlag, Kohlendioxid-Emissionen einen Preis zuzuordnen wohl ein gangbarer Weg. Besser jedenfalls als die deutsche Energiewende. Denn hier schießt die Regierung Milliarden an Subventionen einigen ineffizienten Energie-Klientelen hinterher.

Selbst in China scheint in der politischen Elite ein Umdenkprozess stattzufinden. Grüne Technologien gewinnen an Attraktivität, um zahlreiche Großstädte endlich vom Smog zu befreien. So werden ineffiziente Kohlekraftwerke stillgelegt und Wind-, Solar- und Atomkraftwerke im Ausbau vorangetrieben.

Insgesamt sollten sich Investoren bewusst machen, dass Öl-, Gas- und Kohleproduzenten keine Witwen- und Waisenpapiere mehr sind, sondern die Schwankungsbreite in dieser Branche in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird. Dies hängt einerseits mit den gestiegenen Explorationskosten zusammen, aber auch damit, dass die mögliche Aktionärsstruktur für diese Unternehmen zunehmend enger wird, je mehr Anleger das Risiko einer "Kohlenstoffblase" fürchten.



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