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04.03.2015 - 19:50

Investition in unterbewertete Branchen:

Hurra! Ein neues Produkt - oder nur ein weiterer Marketing Gag?

von Thilo Stadler, Portfoliomanager bei I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

Ob Butterfly Zertifikate, Multi-Asset Fonds oder Smart-Beta ETFs. Die Produktschmieden der Finanzbranche sind für ihre Innovationsbereitschaft bekannt. Sie beherrschen es wie wenige, drohenden Absatzkrisen mit immer neuen Produktideen entgegenzuwirken. Dem weltweit rasanten Wachstum der Exchange Traded Funds (ETF) wurde unlängst eine neue Assetklasse untergeordnet, die sogenannten »Smart Beta ETFs«. Das sind börsengehandelte Indexfonds deren zu Grunde liegender »Index« auf Basis einer systematischen Optimierungsstrategie verspricht, einen Mehrertrag zu erwirtschaften.

Smart Beta, Outperformance mit System. Das klingt gut, da darf die Managementgebühr ruhig etwas höher sein als bei klassischen ETFs. Aber ist es denn so einfach? Investoren sollten sich von raffinierten Verkaufsstrategien nicht beeindrucken lassen, sondern neue Produkte stets kritisch hinterfragen.

Eine neue, Aufsehen erregende Produktidee stellte jüngst der auf Smart Beta ETFs spezialisierte Anbieter Ossiam vor. Kein Wunder, steht mit Professor Robert Shiller aus den USA doch ein renommierter Wissenschaftler und Nobelpreisträger hinter dem Ansatz. In Anlehnung an das von Shiller bereits in den 80ern entwickelte Shiller-KGV werden die günstigsten Sektoren identifiziert und, um nicht in ein »fallendes Messer zu greifen«, um den Sektor mit der schlechtesten Performance des Vorjahres bereinigt, zu gleichen Teilen investiert.

Das Stichwort ist also Unterbewertung, die man sich systematisch zu Nutzen machen möchte. Es ist davon auszugehen, dass bei anhaltender Alternativlosigkeit der Anlage und weiter steigenden Aktienmärkten weitere Produkte mit systematischen Value-Strategien aufgelegt werden. Aber sind diese Strategien für den Anleger erfolgversprechend, liefern sie einen Mehrwert zur Investition in den breiten Markt?

Es scheint unbestritten, dass Investitionen in unterbewertete Aktien langfristig sehr gute Ergebnisse liefern können. Die Investorenlegende Warren Buffet hat dies immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Er hat aber stets betont, dass die Kombination aus einer günstigen Bewertung, also fundamentalen Faktoren, und den Zukunftserwartungen entscheidend ist für diesen langfristigen Erfolg.

Ein blindes System ist das nicht. Denn eines ist nicht von der Hand zu weisen. Es gibt immer Märkte und Sektoren, die auf Sicht mehrerer Jahre eine schlechtere Wertentwicklung zeigen als die relevanten Vergleichsgrößen oder der Gesamtmarkt. Und wer möchte behaupten, dass es keine Gründe für die seit Jahren anhaltenden Kursrückgänge beziehungsweise »günstigen Bewertungen« bei den deutschen Versorgern, beim griechischen oder russischen Aktienmarkt, oder bei der Aktie der Deutschen Bank im Vergleich zum europäischen Bankensektor gibt?

Nun sei im Folgenden eine günstige Bewertung einmal unterstellt und unser »System« schaltet auf grün. Die alten Geschäftsmodelle unserer Stromversorger sind Geschichte. Aber die Unternehmen beginnen gerade erst sich neu zu erfinden. Die moderate Erholung der letzten 18 Monate könnte sich eher als technische Reaktion denn als Trendwende herausstellen, eine Investition somit noch immer »zu früh« kommen.

Den Ausgang der griechischen Wahlen und die darauffolgenden Geschehnisse schließen Käufe in Griechenland ebenso aus, wie die gefährlichen Entwicklungen in der Ukraine dies für den russischen Aktienmarkt tun. Wenn die Führung der Deutschen Bank in Kürze wieder strategische Entscheidungen trifft und dies Fantasie für stabilere oder höhere Gewinne aufkommen lässt, dann könnte sich der Fokus von der Rechtsabteilung hin zum operativen Geschäft bewegen lassen und die Marktteilnehmer womöglich wieder überzeugen.

Die Begründung für eine Investition darf also nicht alleine die Beobachtung einer zurückliegenden Underperformance oder eine günstige Bewertung sein. Das ausschlaggebende Kriterium muss stets die Erwartung einer Verbesserung der zu Grunde liegenden Fundamentaldaten darstellen. Wer ohne Kopf investiert, der geht bildlich gesprochen »mit geschlossenen Augen einfach über den Zebrastreifen«.

Der Markt bewertet die Zukunftsperspektiven und wird früher oder später immer die zugrunde liegenden Fundamentaldaten berücksichtigen. Für Investitionsentscheidungen braucht es eher eine Meinung denn einen Computer. Produkte bietet der Markt zu genüge, und das schon lange. Und auch wenn Sie über den Zebrastreifen gehen, sollten Sie immer vorher nach links und nach rechts schauen, damit Sie nicht von einem Auto überfahren werden.

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